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Gemeinsame Jahrestagung der DGEpi, der DGMS und der DGSMP

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05.09.2017 - AM 4 | 15:30 - 16:30 
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Prävention und Gesundheitsförderung (2)

Chair: Katharina Diehl, Thomas von Lengerke

15:30
V-13
Primärpräventive Defizite in der diabetischen Fußversorgung? Ein Survey von Patienten mit vs. ohne Fußsyndrom in Diabetes-Schwerpunktpraxen
*Thomas von Lengerke1, Barbara Kröning1, Karin Lange1
1 Medizinische Hochschule Hannover, Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Psychologie (OE 5430), Hannover, Deutschland
Abstract-Text :

Leitliniengerechte Fußpflege ist sowohl für die Prävention als auch Therapie des diabetischen Fußsyndroms (DFS) zentral. Daher wäre es indiziert, wenn Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 (T2DM) ohne DFS über ein ebenso ausgeprägtes Fußpflegewissen verfügten wie Patienten mit DFS, und ihr Wissen ebenso in Verhalten umsetzten. In der vorliegenden Studie wurde daher das Ausmaß des Fußpflegewissens von T2DM-Patienten mit und ohne DFS und seine Assoziation mit dem Fußpflegeverhalten untersucht.


In einer Querschnittstudie wurden N=473 Patienten mit T2DM in acht niedersächsischen Diabetes-Schwerpunktpraxen per Selbstausfüllfragebogen befragt (Teilnahmerate: 77,4%). Dabei wurden im Erhebungszeitraum von jeweils zwei Wochen pro Praxis alle Patienten mit einem T2DM und DFS (Wagner-Klassifikation ≤3) und die ersten 50 T2DM-Patienten ohne DFS eingeschlossen. Das Fußpflegeverhalten wurde mit einer per Übersetzung-Rückübersetzung ins Deutsche übertragenen Version des Nottingham Assessment of Functional Footcare (NAFF) erfasst, und das Wissen mit Items, die unter Bezug auf die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes: Präventions- und Behandlungsstrategien für Fußkomplikationen entwickelt wurden.


Adjustiert für Geschlecht, Alter, Schulbildung und Diabetesdauer hatten Patienten mit DFS sowohl ein günstigeres Wissen (F(1,258)=16,2, p<.001) als auch Verhalten (F(1,256)=21,8, p<.001) als Patienten ohne DFS. Patienten mit vergleichsweise günstigem Wissen (>Median) verhielten sich im Vergleich mit Patienten mit weniger Wissen nur in der Gruppe mit einem DFS signifikant günstiger (F(1,256)=11,8, p=.001; Gruppe ohne DFS: F(1,256)=3,2, p=.075). Der entsprechende Interaktionseffekt war grenzwertig signifikant (F(1,256)=3,6, p=.058).


Bei T2DM-Patienten mit DFS ist das Fußpflegewissen ausgeprägter und die Wissens-Verhaltens-Lücke kleiner als bei Patienten ohne DFS. Dies weist auf empirische Weise auf klinisch bekannte primärpräventive Defizite in der diabetischen Fußversorgung hin.



15:45
V-40
Gesundheitskompetenz, Gesundheitszustand und soziale Unterstützung - Ergebnisse aus dem Survey GEDA 2014-2015/EHIS
*Susanne Jordan1, Claudia Diederichs1, Sophia Dollmann2, Hanne Neuhauser1
1 Robert Koch-Institut, Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin, Deutschland
2 Maastricht University, Faculty of Health, Medicine and Life Sciences, Maastricht, Niederlande
Abstract-Text :

Fragestellung: Niedrige Gesundheitskompetenz (GK) ist häufig mit einem schlechteren Gesundheitszustand assoziiert. Bislang gibt es wenig empirische Erkenntnisse über den Einfluss sozialer Faktoren wie beispielsweise sozialer Unterstützung (SU) auf diesen Zusammenhang. Ziel unserer Analysen ist es, die Assoziation zwischen GK und Gesundheitsstatus im Hinblick auf SU näher zu untersuchen.


Methoden: Die Analysen basieren auf Daten aus der Querschnittstudie "Gesundheit in Deutschland aktuell" (GEDA) 2014-2015/EHIS, einem Survey der deutschsprachigen erwachsenen Bevölkerung (n=24.016). Die allgemeine GK wurde mit der Kurzform des European Health Literacy Fragebogens (HLS-EU-Q16), SU mit der Oslo-3-Items-Social-Support Scale (Oslo-3) und der Gesundheitszustand mit der subjektiven Selbsteinschätzung erhoben. Der HLS-EU-Q16-Index wurde in drei GK-Level unterteilt: "ausreichend" (13-16 Punkte), "problematisch" (9-12) und "inadäquat" (1-8). Die Analysen wurden mit logistischer Regression adjustiert nach Geschlecht, Alter und Bildung und mit Stata Survey-Prozeduren berechnet.


Ergebnisse: In der Gruppe mit inadäquater GK ist der Anteil mit niedriger SU am größten 35,8 % (95%-KI: 33,5-38,1), während er bei problematischer 22,6% (95%-KI: 21,2-24,1) und bei ausreichender GK 13,6% (95%-KI: 12,8-14,4) beträgt. Bei der nach Geschlecht, Alter und Bildung adjustierten Assoziation zwischen GK und Gesundheitszustand stellt SU einen bedeutsamen Faktor dar. Bei inadäquater GK erhöht eine niedrige SU die Chance auf einen mittelmäßigen bis schlechten Gesundheitsstatus um das 1,84-fache (OR; 95%-KI: 1,33-2,56; Referenz hohe SU), bei problematischer GK um das 2,99-fache (OR; 95%-KI: 2,40-3,72) und bei ausreichender GK um das 2,43-fache (OR; 95%-KI: 2,07-2,86).


Schlussfolgerungen: SU spielt bei dem Einfluss von GK auf den Gesundheitszustand eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Soziale Faktoren wie SU sollten bei Studien zur GK stärker berücksichtigt werden.



16:00
V-41
Gesundheitskompetenz und dessen Determinanten in verschiedenen Lebensphasen - Ergebnisse des deutschen Health Literacy Surveys
*Dominique Vogt1, Eva-Maria Berens1, Doris  Schaeffer1
1 Universität Bielefeld, , Bielefeld, Deutschland
Abstract-Text :

Einleitung: Im komplexer werdenden Gesundheitssystem sind Menschen zunehmend auf Gesundheitskompetenz (GK) angewiesen. Das empirische Wissen über GK ist – vor allem in verschiedenen Alters- und Lebensphasen - noch gering. Ziel ist es daher, den Anteil niedriger Gesundheitskompetenz und mit ihm assoziierte Determinanten differenziert nach Altersgruppen zu betrachten.


Methodik: Basis bildet die für Deutschland repräsentative HLS-GER Befragung, in der 2.000 Personen der deutschsprachigen Bevölkerung ab 15 Jahren in Privathaushalten, befragt wurden. Die Stichprobenziehung erfolgte durch eine repräsentative Zufallsauswahl aus der ADM-Auswahlgrundlage. Die GK wurde mittels HLS-EU-Q47 erfasst. Als weitere Faktoren wurden Geschlecht, Bildung, Migrationshintergrund, Sozialstatus und Arztbesuche einbezogen. Die Analysen umfassen deskriptive Statistik, bivariate Analysen und logistische Regressionen.


Ergebnisse: Die GK unterscheidet sich erheblich zwischen den untersuchten Altersgruppen (p<0,001). Dabei unterliegt sie einem deutlichen Altersgefälle. 66,4% der älteren Menschen ab 65 Jahren haben eine limitierte GK, immerhin jedoch auch 47,2 % der 15 bis 29-Jährigen. Die Ergebnisse der logistischen Regressionen zeigen: Eingeschränkte Gesundheitskompetenz hängt in allen Altersgruppen mit geringem Sozialstatus zusammen (OR: >3; p<0,05).


Schlussfolgerungen: Gesundheitskompetenz sollte zukünftig differenziert nach verschiedenen Lebensphasen betrachtet werden. Die Daten können außerdem als wichtige Grundlage für lebensphasenorientierte Interventionen zur Förderung der Gesundheitskompetenz genutzt werden. Dies erfordert sowohl Maßnahmen zur Verbesserung von Gesundheitsinformation, als auch Ansätze zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz und der Verbesserung der Kommunikationskompetenz von Gesundheitsprofessionen und -organisationen.



16:15
V-42
Chancen und Barrieren vernetzter kommunaler Gesundheitsförderung für Kinder - eine qualitative Studie
*Sebastian Ehlen1, Regine Rehaag1
1 KATALYSE Institut, Gesundheits- und Ernährungsforschung, Köln, Deutschland
Abstract-Text :

Hintergrund: Integrierte Gesamtansätze kommunaler Gesundheitsförderung, in der Praxis Präventionsketten genannt, sind eine recht junge soziale Innovation in Deutschland. Systematisch gefördert wird ihre Implementierung in Nordrhein-Westfalen (MFKJKS NRW 2015; Stolz et al. 2016). Erste Erfahrungen zeigen, dass Neustrukturierungen von Hilfesystemen auch benachteiligten sozialen Gruppen gesundheitsförderliche Lebens- und Teilhabebedingungen eröffnen (Walter et al. 2015). Der vom BMBF geförderte Forschungsverbund "Gesund Aufwachsen" untersucht diesen Ansatz in vier Modellkommunen (2015 - 2018).


Fragestellungen: Wie ist der Status quo der integrierten Gesamtansätze in den Modellkommunen?



  • Wie bewerten kommunale Akteure den bisherigen Implementierungs-Prozess?

  • Welche Chancen und Barrieren identifizieren kommunale Akteure
    in der intersektoralen Zusammenarbeit und
    beim Zugang sozialbenachteiligter Familien und Familien mit Zuwanderungsgeschichte?


Methoden: Experteninterview und -workshop


Studiendesign: Das Forschungsmodul "Soziale Teilhabe und Ernährung" hat Präventionsketten in Hinblick auf a) ihre Implementierung und b) die Gesundheitschancen sozial benachteiligter Familien analysiert. In Experteninterviews (n = 32) wurden kommunale Governance-Strategien und Maßnahmen vernetzter Gesundheitsförderung erhoben. Die Erkenntnisse wurden in Expertenworkshops verdichtet und intersubjektiv validiert. Die qualitativen Daten wurden computergestützt inhaltsanalytisch ausgewertet.


Ergebnisse: Vorgestellt werden Erkenntnisse zu kommunalen Gesamtansätzen aus Expertenperspektive.


Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse zeigen Potenziale und Hemmnisse bei Planung und Umsetzung komplexer gemeindeorientierter Interventionen (Bär 2015; BZgA 2015; RKI, LGL Bayern 2012) auf. Entwicklungsbedarf besteht bzgl. sozialräumlichem Monitoring, partizipativer Bedarfserhebung und diversitätssensibler Angebotsformen. Zudem gilt es intersektorale Schnittstellen zu optimieren und Qualitätssicherung zu etablieren.